Bessermann

Belletristik

Adrian Kasnitz

Bessermann

Der Kriegsreporter Bessermann kehrt nach Deutschland zurück und beschränkt seine Kontakte auf ein Minimum: Menschen in seiner Straße, die Kreuzung, das Lokal gegenüber werden zu erzählerischen Miniaturen. So sehr er der Realität entfliehen will, so stark wird der immer wieder in die Geschicke und Geschichten seiner Mitmenschen hineingezogen.

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Verlagstexte

"Sie kümmerten sich um ihn, fragten nach dem Wohlergehen, nach den Plänen für diese Woche und schlugen ihm einen kleinen Text vor, einen Kommentar oder Erinnerungsbericht, den er ohne weiteres hätte aufschreiben können, galt er doch als Experte. Aber er war nicht willens. (...) Er kannte ja die Frage und sie wussten seine Antwort. Also ging es ihnen um etwas anderes, um eine Versicherung, dass er noch am Leben sei."
Der traumatisierte Kriegsreporter Bessermann kehrt nach Deutschland zurück und beschränkt die Kontakte mit der Außenwelt auf ein Minimum. In kurzen prägnanten Splittern und wechselnden Erzählperspektiven lässt Adrian Kasnitz eine ruhelose Seele zu Wort kommen. Bessermann will dem Leben ausweichen. Doch er wird immer wieder in die Lebenswelten seiner Mitmenschen hineingezogen. Er ist das zentrale Gestirn, umkreist von einem rätselhaften Personen-Ensemble, ebenso verletzt wie er selbst.
Bessermann mit seinem collagenartigen, fragmentarischen Erzählstil ist ein Roman in der Traditionslinie von Patrick Modiano.

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© Cover: Verlag, Foto(s): k. A.

Presse- und Autorenstimmen

Adrian Kasnitz hat einen Roman über Bedrohung, Gewalt und die Paranoia geschrieben, die alle langsam befällt.

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Textprobe(n)

"Da ist nichts dabei im Prinzip", sagte Herr Johannes. Er zeigte auf die Tafel, wo ein Zitat stand. Denn es kommt überall nicht auf den Gegenstand, sondern auf das Auge an, das ihn betrachtet. Dann machte er einen Schritt zur Seite auf den Labortisch zu. Dort standen eine Schüssel aus Metall und eine alte Plastikdose. Zweckentfremdet. Krautsalat, verriet ein altes Etikett. Er griff hinein und fischte darin herum. Er tastete nach etwas, aber es flutschte immer wieder weg, bis er schließlich doch ein Auge zu fassen bekam. Dann hielt er es hoch, schaute in die Gesichter, leicht spöttisch, wartete auf Reaktionen. Nichts regte sich.

"Hier ist die Hornhaut, hier sind Iris und Pupille und der gummiartige Zipfel auf der Rückseite ist der Sehnerv, der die Informationen ans Gehirn leitet."

Es waren schöne frische Augen, die er heute vom Fleischer bekommen hatte, die noch nicht eingetrübt waren. Die Augenhaut war weiß und umhüllte die Gelatine des Augapfels. An der zähen Schicht der Augenhaut hingen die Augenmuskeln.

Herr Johannes setzte die Schere an und entfernte das Anhängsel aus Muskelgewebe. Mit kleinen, vorsichtigen Schnitten befreite er das Auge, das nun einer Porze glich, einer – wie sie als Kinder sagten – großen Porzellanmurmel.

Es sah nun sehr schön aus, wie es durch die Finger glitt, während Herr Johannes erklärte, wie schwierig es sei, in das Auge hineinzuschneiden, um das zu sehen, was sie sehen wollten. Selbst mit einem Cutter war es nicht einfach. Die weiße Augenhaut war zäh und das Auge glitschte weg. Herr Johannes hielt es eingeklemmt in der Kuhle zwischen Daumen und Zeigefinger, aber es ging nicht. Er legte es in die Ecke der Metallschale, die er vorbereitet hatte.

Der Schnitt musste am Äquator erfolgen und durfte nicht verunglücken. Endlich gelang ihm ein Loch mit dem Cutter, dann konnte er mit der Schere weiterarbeiten. Vom Loch aus einmal um den Glaskörper herum. "Man muss schon ein wenig geschickt sein."

 

Wie Wackelpudding glibberte nun das Innere aus dem Schlitz hervor. Und dann lagen da zwei Hälften in der Schale. Wie ein Mohntörtchen war das Auge innen voller schwarzer Pigmente. Es darf kein Licht reflektieren, wie das Innere einer Kamera. Ein Törtchen aus Netzhaut und Nervenzellen. "Das ist, wenn man so will, das eigentliche Zeug, mit dem wir die Welt wahrnehmen."

Herr Johannes löste nun den Glaskörper, um an die Linse zu kommen, eine erbsengroße, elastische Kugel. Auf ein Stück Zeitungspapier gelegt, werden die Buchstaben darunter tatsächlich größer. Auch wenn es doch einem Zauber gleicht, dass es mit diesem Ding möglich ist, zu sehen.

 

Ein paar Schüler lachten jetzt erleichtert. Sie hatten alles überstanden. Herr Johannes wunderte sich, wie ruhig sie geblieben waren. Keiner musste vor Übelkeit hinaus. Anton schaute in die Plastikdose voller Augen. Jetzt waren sie dran, selbst herumzuschnippeln. Das Auge, mit dem sie die Welt sahen. Mit dem andere ihn sahen. Was sehen sie, wenn sie mich ansehen? Das war seine Fragemorgens im Bad. Sie waren alle ernst geblieben beim Sezieren. Sie wollten keine kleinen Jungen sein. Sie würden später draußen stehen und darüber lachen. Sie würden eine rauchen gehen. Er würde etwas zerstören wollen. Einen Mülleimer umkippen. Eine Laterne austreten. Die Augen eines Schweins ausstechen. Aber woher sollte er ein Schwein auftreiben in einer der größten Städte Deutschlands?

Bessermann
Roman / Novelle
ALS BUCH:
Hardcover

fadengeheftet, Lesebändchen

164 Seiten
Format: 130 x 210 mm
Auslieferung: ab Mai 2017
D: 20,00 Euro A: 20,60 Euro CH: 21,30 CHF

ISBN (Print) 978-3-9817920-3-4

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