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Spiegelland

Belletristik

Kurt Drawert

Spiegelland

Roman. Prosa. Material. Mit einem Nachwort des Autors.

Zum 25jährigen Jubiläum des Mauerfalls erscheint bei Luxbooks die Neuausgabe des ersten großen Romans zum Untergang der DDR von einem der wichtigsten deutschen Gegenwartsautoren. Der Roman erzählt in kreisenden, verstörend schönen Sätzen eine Vater-Sohn-Beziehung und von Macht und Ohnmacht der Sprache. Traurig, wütend, ruhelos und mit fast dunkler Komik wird so zugleich die Geschichte eines Landes und das Leben einer zerrissenen Familie erzählt. Ergänzend erscheinen zum ersten Mal versammelt die Prosatexte, Erzählungen und Essays Kurt Drawerts aus der Nachwendezeit.

Verlagstexte

Bereits in den Jahren 1990 und 1991 schrieb Kurt Drawert einen kurzen, furios aufwühlenden, sprachgewaltigen Roman, der sich mit dem Ende seines Heimatlandes auseinandersetzt. Für diesen vermutlich ersten bedeutenden Roman über das Ende der DDR wurde ihm der Uwe-Johnson Preis verliehen. Gewidmet ist das Buch Drawerts Söhnen »im Sinne einer Erklärung«. Es erzählt die Geschichte einer Vater-Sohn-Beziehung, die Drawert meisterhaft mit zeitgeschichtlichen Ereignissen verknüpft. Zum 25. Jubiläum des Mauerfalls wird dieses erste große literarische Zeugnis dieses Umbruchs neu herausgegeben. Der Band wird ergänzt um die Erzählungen der 90er Jahre, darunter »Haus ohne Menschen«, für das Kurt Drawert den Ingeborg-Bachmann Preis erhielt. Thematisch verbundene Essays wie »Polen, eine innere Reise« und »Go, Trabi, go down« bieten einen Blick auf die Jahre nach dem Fall der Mauer. Den Abschluss des Bandes bildet das Theaterstück »Das Gegenteil von gar nichts«, dass derzeit in Istanbul in türkischer Sprache uraufgeführt wird. Mit dieser Ausgabe liegen erstmals die wichtigsten Prosatexte Kurt Drawerts aus der Anfangszeit des wiedervereinigten Deutschland gesammelt vor.

Downloads

Cover: Verlag, Foto(s): Ute Döring

Presse- und Autorenstimmen

Das ist für mich der genaueste Text, den man nach dem Ende der DDR schreiben kann.

(

Wilfried Schöller

)

In kreisenden und bohrenden, aufgestauten und weiterdrängenden Sätzen, pathetisch und reflektierend, werden die Materialien einer Biographie um und um gewendet. Dabei ereignet sich das Erstaunliche, daß diese Erinnerungsfragmente durch die kunstvollen Sätze nicht etwa zerrieben werden; sie gewinnen in der Reflexion eine seltsame Transparenz… Und, seltsam genug, gerade diese Verfremdung bewirkt, daß das Buch einem nahegeht. Es leistet etwas anderes und mehr als jene detailreichen Werke, an denen kein Mangel besteht: es erhellt die Vergangenheit, die DDR als Teil der deutschen Geschichte, gleichsam von innen.

(

NZZ

)

Kurt Drawert schafft seinen Text als Sprach-Begegnung und Sprach-Prozeß mit den mißbrauchten Worten und Begriffen, mit Fotos familiärer Erinnerung, mit den repressiven Bildern der Vergangenheit. Die Lust und die Trauer und die Wut, alles hinter sich zu lassen, sind Anfang und Ende des Textes, jedoch nicht im Sinne einer Flucht, nicht Eskapismus ist Drawerts Devise, eher eine ›Notlage des Körpers, ein gespaltener Empfindungszustand, ein dauerndes Mißverstehen zweier gegengerichteter sprechender Figuren‹. (...) Nein, er wird sie nicht los, diese DDR, die jetzt für ihn ein einziger Intershop ist. Nur in der Sprache, nur im Auseinanderfalten der einst furchtgebietenden und moralischen Anspruch erheischenden Begriffe befreit sich der Lyriker Drawert durch sein essayistisches Poem. (...) Unter den vielen Versuchen ehemaliger DDR-Autoren ist Drawerts sprachkritischer Text die bislang angemessenste und in der literarischen Form modernste Antwort auf den Zusammenbruch der DDR.

(

Süddeutsche Zeitung

)

Textprobe(n)

... es waren nichts als schlechte, kitschige Filme, die zur Wirklichkeit wurden, Wirklichkeit, die ein Film wird, eine Revolution,wie sie es nennen, die heute schon eine Sonderbriefmarke ist, dreißig plus fünf Pfennige wert, ein apartes Motiv, die Leipziger Nikolaikirche mit ihrem Vorplatz voller demonstrierender Menschen, auf den Umschlag geklebt eines Briefes, der mich eben erreichte, welch eine Nachricht, denn lebendiger als durch einen Aufkleber kann man keine Bewegung begraben, die Sammler von Sonderdrucken sind schuld, die Philatelie macht die Geschichte verderblich, sie ist der absurde Schatten einer Entwicklung, die sich allein über die Reproduktion wahrzunehmen imstande ist, über die Form einer zynischen Abbildungstechnik, als sie riefen, »Wir sind das Volk!«, haben sie ein Bewußtsein produziert, und als sie den Ausruf als Abziehbild auf ihre Autos geklebt haben, war das Bewußtsein als abgebildetes Bewußtsein wieder verlorengegangen. Die Revolution, wie es genannt wird, besteht heute nur noch aus bedeutungslosen, entwerteten Zeichen, die als Abbildung das Abgebildete töten, die Geschichte der Moderne ist eine Geschichte der Abbildungen, alles wird kopiert und über die Kopie zur Realität, die Liebe in einem billigen Fortsetzungsheft, in dessen Handlung die Schwiegermutter prinzipiell dagegen ist, bis sie vom Adelsstand des Begehrten ihrer Tochter erfährt, aus der Position des Grafen erzählt, aber alles geht weiter, die Abbildungen gehen weiter, die Sonderdrucke und Abziehbilder und Videoclips gehen weiter, die Fotografien gehen weiter, die schlechten Filme und die schlechten Romane gehen weiter, die Revolutionen und die scheiternden Revolutionen gehen weiter, die bedeutungslosen, entwerteten Zeichen gehen weiter, die Entfremdungen und die Verzweiflungen und die Einsamkeiten gehen weiter, die Gewalt geht weiter, die Angst geht weiter, die Liebe an einem Mittwochnachtmittag geht weiter, die Liebe auf einer Parkbank und die Liebe im Kopf gehen weiter, die Worte gehen weiter, und der Tod der Worte geht weiter, das Leben und die Erfindung davon zu leben und die Kopie darüber gehen weiter und weiter und weiter. Um uns herum nichts als schlechte, kitschige Filme, die zur Wirklichkeit wurden und so weiter. Der einem wie Stallgeruch anhaftende Status DDR geht weiter und die belästigenden Fragen gehen weiter, nirgendwo kann man der Gesellschaft, in die man zufällig hineingeworfen war und die man vielleicht nur aus Faulheit und mangelndem Leidensdruck nicht verließ, da man lange schon fertig war mit ihr nach außen und innen und nichts mehr erwartete und nichts mehr bekam, entkommen, verurteilt, in der Fremde deren Repräsentant zu sein. Die erbarmungslose Unterstellung einer Identität mit seiner Herkunft. Man wird zum Objekt einer Voreingenommenheit. Die Fragen stellen die Subjektivität, die man verkörpert, in einen Zusammenhang, in dem sie erlischt. Ich fühle mich abwechselnd verärgert, gekränkt und gelangweilt, wenn ich über politische Zustände Auskunft geben soll, als hätte ich sie gewollt oder verschuldet, geliebt oder gelitten in einer Präsenz, die über mein Leben und meine Existenz weit hinausgeht. Und im übrigen, was war das Ende einer Revolution jemals anderes als eine Annonce, die ich zufällig in der Hamburger Morgenpost lese: NEU, Demo- Modell DDR, 22 Jahre, auch frz. und griech.; man möchte diese Nummer wählen, hinfahren und es, bis die Tränen kommen, tun.

Spiegelland
Roman / Novelle
ALS BUCH:
Broschur

Klappbroschur mit Schmuckkarten

ca. 400 Seiten
k. A. zum Format
Auslieferung im September 2014
D: 24,80 Euro

ISBN (Print) 978-3-939557-19-7

ALS EBOOK:
Datenformat(e): epub
Auslieferung: ab TT. Monatsname JJJJ
D: 9,90 Euro
ISBN (eBook) k. A.
Symbol Tablet Rezensionsexemplar (eBook)

Die Autorin bzw. der Autor im Netz:

Der Verlag im Netz:

Pressekontakt des Verlages:

Annette Kühn
+49 (0)611 7167891
annette.kuehn(at)luxbooks.com

Vertriebskontakt des Verlages:

Annette Kühn
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annette.kuehn(at)luxbooks.com