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Der Heiligenscheinorgasmus

Belletristik

Sama Maani

Der Heiligenscheinorgasmus

und andere Erzälungen

Sechs Erzählungen schildern in grotesker, traumartig-gespenstischer Weise – vom "Persischsein" des Ich-Erzählers aus betrachtet – allzu Österreichisches; Wien, Graz, die Schweiz, Zürich. Larmoyanz über das Fremdsein kommt in den Geschichten um den Heiligenscheinorgasmus allerdings nicht vor – andernfalls könnte sich etwa eine tote Perserkatze nicht ins heillose Chaos der Absteige einer Zürcher Prostituierten verirrt haben. Sama Maani schreibt persönliche Geschichten über das Unmögliche von Begierden und Sehnsucht, über austauschbare Exotik – ein Wechselbad aus Witz und Wehmut.

Verlagstexte

Was haben ein Perser, ein Vorarlberger, ein Grazer, ein Wiener, ein Schweizer gemeinsam? Unterschiede, die, aufeinandertreffend, vollkommenen Zerstörungsphantasien Luft bereiten, Identitätsstörungen hervorrufen und dem gegenwärtigen globalen Brandherd ein für alle Mal zur Apokalypse verhelfen? Oder gar, als Gegenteil, als alle Vorurteile zerberstende Zusammenführung alles gespaltenen Irdischen? Es sind diese Möglichkeiten, die uns in ihrer wütenden Unberechenbarkeit verrückt machen, um sich schlagen, so massiv, dass dem in Vernunft Denkenden die Schlussfolgerung einer Unteilbarkeit solcher Radikalismen philosophisch geradezu unabdingbar erscheint. So wird verschmolzen, was nicht zu trennen ist, so dass es zu einer ständig von Neuem aufgesparten Trennung einer fürchterlich zerrütteten Ehe kommt, einzelne Bestandteile, von Außen das Innere vergewaltigend, während das Innere an Schallmauern verklingt, eine Grube, unaufhörlich gegraben und mit Erde überschüttet – die Grenzen der Philosophie sind jene der Dichtung, doch darf sich letztere mit dem Darstellen des Problems begnügen, während die Philosophie gerne Lösungen anbieten möchte, trotz der unbändigen Gefahr, sich darin zu verlieren, doch bedeutet dies keineswegs, dass es die Dichtung leichter habe, müsse sie ja 'nur' darstellen, vielmehr finden wir vor allem in der Prosadichtung romanlange Problemdarstellungen über das Darstellungsproblem innerhalb der Prosa. Gerade das Problem rassischer oder gar globaler Identitäten wurde schon unzählige Male aufgegriffen, mit unterschiedlichem Erfolg. Die vorliegende Erzählsammlung tut es ihren Vorgängern gleich, doch tut sie es richtig, nicht richtig gut, sondern richtig atemberaubend. Der Leser wird nicht allein in eine einzelne Person, Perser, Vorarlberger, Grazer, Wiener, Schweizer in einem ver- und entkörpernd, eingeführt, überhaupt aufgesogen, [der Autor] Sama Maani versteht weit mehr als eine leserfreundliche Schaffung von Empathie – vielleicht blitzt diese sogar am wenigsten durch, so verstörend wirken die Ich-Erzähler auf die Leserschaft – Maani führt uns Vorurteile vor, die wir kennen, verdichtet diese dermaßen in ein zum Zerbersten zugeschnürtes Korsett, das sämtlichen Vorurteilen der Erzähler wie auch jenen unser selbst das Groteske unseres Denkens entgegensetzt.

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© Cover: Verlag, Foto(s): Sama Maani

Textprobe(n)

Mein Leben in Zürich begann mit einer Lüge. Unmittelbar nach meiner Ankunft im Zürcher Hauptbahnhof hatte ich im Café Les Arcades einen entkoffeinierten Café Crème bestellt, als sich eine dunkelhaarige, mittelalte Frau mit Aktentasche, eine Zürcherin, wie ich annahm, an meinen Tisch setzte. Die Zürcherin mit der Aktentasche lächelte mich in der freundlichen, aber unaufdringlichen Art der Zürcher Menschen an und fragte im Hochdeutsch der Deutsch-Schweizer, wo ich denn herkäme. Ich wurde puterrot im Gesicht und starrte eine Zeit lang auf die schmutziggelbe Stuckdecke des Bahnhof-Cafés. Schließlich begann ich, anfangs leise und wie verschämt flüsternd, zu erzählen. Mein Vater, behauptete ich, sei aus dem Indischen Bophal und nach der Gründung Pakistans dorthin geflüchtet. Von Pakistan sei er nach Großbritannien, von Großbritannien nach Irland, von Irland nach Deutschland, von Deutschland nach Holland, von Holland nach Belgien, von Belgien nach Luxemburg, von Luxemburg nach Frankreich, von Frankreich nach Italien, von Italien in die Schweiz weitergeflüchtet.

Wo ich selbst herkäme, sei ich nicht sicher.

Der Heiligenscheinorgasmus
Erzählung(en)
ALS BUCH:
Hardcover
Seiten: k. A.
Format: k. A.
Auslieferung: k. A.
D: k. A. A: k. A. CH: k. A.

ISBN (Print) 978-3-85435-790-2

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