Im Labyrinth der Welt

Sachbuch

Hanns Grössel

Im Labyrinth der Welt

Essays und Kritiken zur französischen Literatur

Ausgewählt und mit einem Nachwort von Norbert Wehr

Herausgegeben von der Kunststiftung NRW

Ein neues Großprojekt in der Schriftenreihe der Kunststiftung NRW. Das Lebenswerk eines außergewöhnlichen Literaturvermittlers.

Verlagstexte

(…) Norbert Wehr, in den letzten Jahren ein naher Vertrauter Hanns Grössels, hat sich mit Unterstützung der Kunststiftung NRW um dessen Nachlass gekümmert und dieses einzigartige Konvolut an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach vermittelt. Es verstand sich also von selbst, dass die Kunststiftung NRW diesen intimen Kenner des Werkes von Hanns Grössel mit der Herausgabe des vorliegenden Bandes, dessen Titel Im Labyrinth der Welt sich an einen Romanzyklus von Marguerite Yourcenar anlehnt, betraut. Sowohl die Auswahl als auch die Vielfalt der von Grössel zwischen 1966 und 2002 verfassten Kritiken und Essays zur französischen Literatur legen Zeugnis ab von der enormen Belesenheit und dem weiten geistigen Horizont Grössels und präsentieren dessen ganz persönliche französische Literaturgeschichte. Alle Texte wurden dabei unverändert in ihrer Originalfassung übernommen, also so, wie sie ursprünglich in der "Zeit", der "Süddeutschen Zeitung", im "Merkur", in "Akzente" und als Vor- oder Nachworte abgedruckt worden sind. (...)

Umwege zur Wirklichkeit mit Essays und Kritiken zur skandinavischen Literatur erscheint voraussichtlich im November 2017.

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© Cover: Verlag, Foto(s): Manfred Thomas

Textprobe(n)

Hanns Grössel zu Jean-Paul Sartres "Paris unter der Besatzung":

Einen Tag vor dem Waffenstillstand am 22. Juni 1940, mit dem offiziell der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland zu Ende ging, geriet Jean-Paul Sartre – es war sein fünfunddreißigster Geburtstag – in deutsche Kriegsgefangenschaft. Von Padoux in Lothringen wurde er nach Nancy verlegt, blieb dort bis Mitte August und kam dann in das Stalag XII D bei Trier, aus dem er Ende März 1941 entlassen wurde. Seinen anderthalbjährigen Wehrdienst hatte er in den Jahren 1929 und 1930 abgeleistet, und zwar bei der Meteorologie, und während der wenigen Monate der drôle de guerre war er nicht in Kampfhandlungen verwickelt worden: Militär und Krieg hatten ihn nicht mit derselben Härte getroffen wie andere Angehörige seiner Generation.

Sartres politische Haltung während der dreißiger Jahre – auch seine Einstellung zu Deutschland – war die eines kritisch Beobachtenden, nicht die eines Handelnden gewesen. Ende 1933, im Jahre der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, war er zu einem mehrmonatigen Studienaufenthalt nach Berlin gereist: er hatte Aufmärsche der SA und der SS gesehen, hatte an Veranstaltungen der Nazis teilgenommen, bei denen über die Mitgliedschaft im Völkerbund "abgestimmt" wurde, und während der Röhm-Affäre einen "Vorgeschmack" davon bekommen, "was die Nazi-Herrschaft werden sollte". Durch Freunde waren ihm außerdem genaue Einzelheiten aus dem Spanischen Bürgerkrieg bekanntgeworden, doch zu konkreter politischer Aktivität mochte er sich nicht verstehen. Zwar hatte ihn mehrmals der Gedanke gestreift, der Kommunistischen Partei Frankreichs beizutreten, aber es hatte nicht erst der Moskauer Säuberungsprozesse bedurft, ihn davon abzubringen.

Diese Zurückhaltung – Sartre beteiligte sich auch nicht an den Wahlen des Jahres 1936 – ist wiederholt kritisiert worden. Sein Schulund Studienfreund Paul Nizan, selber militanter Kommunist, veröffentlichte 1935 den Roman "Le cheval de Troie" (Das Trojanische Pferd); darin tritt ein Gymnasiallehrer namens Lange auf, der politisch nicht aktiv ist und mit dem die Rechten leichtes Spiel haben.

Über ihn heißt es: "Lange war allein mit der Stadt: sein Los war es, mit Städten allein zu sein … Wenn er an Bücher dachte, die er schreiben könnte, dann stellte er sich ein Buch vor, das einzig die Beziehungen eines Menschen zu einer Stadt beschriebe …, das von einem einsamen, wirklich einsamen Menschen erzählte, der einer Insel gleicht."

Es ist schwer, darin nicht eine Anspielung auf Sartre und dessen Roman "Der Ekel" zu sehen, von dem er schon 1934 eine zweite Fassung geschrieben hatte und der ursprünglich "Melancholia" heißen sollte. Und wirklich spiegelt "Der Ekel", 1938 erschienen, nichts vom zeitgenössischen politischen Geschehen wider. Nur an einer einzigen Stelle des Buches vergegenwärtigt sich Roquentin bei einem nächtlichen Gang durch Bouville, sozusagen ungläubig, die Weltlage: "Kommunisten und Nazis liefern sich in den Straßen von Berlin Schießereien; Arbeitslose irren in New York herum …" [...]

Im Labyrinth der Welt
Sonstiges
ALS BUCH:
Hardcover

Leinen, Fadenheftung, Leseband

544 Seiten
Format: 140 x 200 mm
Auslieferung: 7. August 2017
D: 30,00 Euro A: 30,80 Euro CH: 38,50 CHF (UVP)

ISBN (Print) 978-3-940357-63-2

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