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Die große Neuigkeit vom schrecklichen Mord an Šimon Abeles

Belletristik

Marek Tomann

Die große Neuigkeit vom schrecklichen Mord an Šimon Abeles

Aus dem Tschechischen übersetzt von Raija Hauck

Der Dichter, Prosaiker und Übersetzer hat einen vergessenen Prager Kriminalfall, den angeblichen Ritualmord an Šimon Abeles, zu einem spannenden Roman verarbeitet. Der zweite, fiktive Erzählstrang spielt im heutigen Prag: Der Anthropologe Ladislav Albrecht leitet Ausgrabungen in der Teynkirche auf der Suche nach den Überresten von Šimon Abeles. Gleichzeitig sucht er nach seinem eigenen verschwundenen Sohn.

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Verlagstexte

Der erfahrene Anthropologe Ladislav hat einen spannenden Auftrag: In der Theynkirche, im Herzen der Prager Altstadt, soll ein Grab aus dem 17. Jahrhundert aufgespürt und untersucht werden – das Grab des Jungen Šimon Abeles, um dessen frühen Tod sich ein düsteres Geheimnis rankt. Starb Šimon, jüdischer Abstammung und der Legende nach vom Wunsch getrieben, zum Christentum zu konvertieren, wirklich gewaltsam von der Hand seiner Familie, wie es die damalige Rechtsprechung entschied? Oder war dieses Urteil des Blutgerichts, das seinen Vater und einen anderen Verwandten dem peinlichen Verhör unter Folter aussetzte und das Leben kostete, eine Inszenierung kirchlicher und weltlicher Macht, um antijüdische Vorurteile zu schüren?

Während Ladislav die Sache mit modernen wissenschaftlichen Methoden angeht, verschwindet plötzlich sein eigener Sohn, der 15-jährige Simon, spurlos. Welche Rolle spielt dabei das Computerspiel, dem Simon verfallen ist und dem ein düsterer Ruf vorauseilt? Je tiefer Ladislav in den Sog der erforschten historischen Begebenheiten gerät, desto rätselhafter und verzwickter erscheint auch die Geschichte seines Sohnes. Schließlich scheinen sich beide Geschichten auf unheimliche und gefährliche Weise immer weiter zu verschränken und verwickeln. Doch gerade, als alles völlig hoffnungslos erscheint, nimmt die Sache eine unerwartete Wendung.

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© Cover: Verlag, Foto(s): David Konecny

Textprobe(n)

In dem Moment, wo er in die Tür trat, wusste Ladislav, dass etwas nicht in Ordnung war. Sein Sohn schloss doch nie die Tür ab, wenn er nach Hause kam. Er bückte sich, um sich die Schuhe auszuziehen, hob dann aber den Kopf, um zu seinem Zimmer zu schauen. Dort erwartete er das normale Bild: Simons Gesicht im Profil, blass vom Monitorschein. Aber er sah nur das dunkle Rechteck der offenen Tür. Er machte noch die paar Schritte, schaltete das Licht ein, um sich zu überzeugen, ob er wirklich nicht da war.

Er ging in den Flur zurück, blieb vor der Balkontür stehen und schaute zu den erleuchteten Fenstern der Wohnung auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Manchmal tauchte dort eine junge Frau auf. Einmal sah er, wie sie sich halbnackt geschmeidig streckte, um sich ihr Shirt überzuziehen. Ihr BH war orange und dieser leuchtende Farbton berührte Ladislav seltsam. Seine Exfrau trug nur weiße, schwarze und hautfarbene Unterwäsche. Die Erinnerung an diese Erscheinung, die nur einen Augenblick dauerte, konnte er lange nicht aus dem Kopf bekommen. Der Raum gegenüber war leer.

Als er Licht machte, sah er in der Balkontür sein eigenes Spiegelbild: das Gesicht eines Vierzigers mit schütteren Haaren und Gesichtszügen, die an Schärfe verloren. Das Gesicht von einem, der genug Zeit hatte, etwas aus sich zu machen, es aber irgendwie immer noch nicht geschafft hatte. Nur die Augen, forschend, unruhig, waren noch dieselben. Er senkte den Kopf, um nachzusehen, wie sehr ihm die Haare auf dem Scheitel schon ausgegangen waren. Ein weiterer fruchtloser Versuch.

Er trat in die Küche, klappte mit einem Seufzen das Notebook auf. Er bemühte sich, an die Untersuchung zu denken, die schon morgen beginnen sollte. Er öffnete die Datei mit der Beschreibung des Abeles-Falls. Sein Assistent Tomáπ hatte sie vorbereitet; er konnte sicher sein, dass das gründlich war. Wahrscheinlich mit viel zu viel Details. Er konnte sich nicht konzentrieren. Simon kam aus der Schule immer geradewegs nach Hause, um sich so schnell wie möglich an den PC setzen zu können. Ladislav wollte nicht panisch werden, aber dann rief er doch an, nur nahm sein Sohn nicht ab.

Die große Neuigkeit vom schrecklichen Mord an Šimon Abeles
Roman / Novelle
ALS BUCH:
Hardcover

mit Lesebändchen

390 Seiten
Format: k. A.
Auslieferung: ab 28. Februar 2019
D: 24,90 Euro A: 24,90 Euro CH: 28,50 CHF

ISBN (Print) 978-3-99029-324-9

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Prof. Lojze Wieser
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