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Entsorge Dich. Freitod als Möglichkeit

Sachbuch

André Vladimir Heiz

Entsorge Dich. Freitod als Möglichkeit

Wer sich den Tod – als Motiv oder Motivation – vornimmt, wird auf das Leben zurückgeworfen. Wie sollen wir den Tod ins Auge fassen, wenn wir nicht darüber nachdenken, was wir unter Leben verstehen wollen und können! Die Entmystifizierung des Freitodes verlangt nach einer Ursachlichkeit, die den heroischen, ideologischen und religiösen Triumph über das Leben entblößt. Höchste Zeit, mit poetischer und erkenntnis­theoretischer Hingabe darüber nachzudenken, um dem Tod unvoreingenommen zu begegnen.

Verlagstexte

"Du hast ja immer nur das Eine im Kopf", sagen wir, wenn sich alles um eine Leidenschaft oder gar Obsession dreht. Wie aber reagieren wir, wenn uns der Freitod als Möglichkeit in den Sinn kommt? "Sein oder Nichtsein?" Der Autor lässt den Leser und die Leserin mit dieser Frage nicht allein. Sie gehört ausdrücklich zum Leben. Mit allem, was wir uns darunter vorstellen und davon erwarten: Sinn und Erfüllung. Ist der Weg wirklich das Ziel? Wie gehen wir mit den Höhen und Tiefen und mit uns selbst um, um Fuß zu fassen und einen wahren Grund zu finden – im Leben? Einfach ist es nicht! Von dieser Einsicht gehen die lebensnahen Beobachtungen in diesem Essay aus. Sie führen zu einem weiteren einfachen Satz: "Es reicht – ich habe genug!" Was fällt uns dazu ein? Dafür oder dagegen zu sein, genügt wahrlich nicht. So einfach machen es sich die Annäherungen an Leben und Tod in diesem Essay nicht.

Suizid? Selbstmord? Freitod? Keine Woche vergeht, ohne dass in der Presse ein Artikel dazu erscheint. Bei Tatsachen und Meinungen bleibt das Essay Entsorge dich: Freitod als Möglichkeit jedoch nicht stehen. Es gibt sich mit juristischen Vorbehalten und moralischen Erklärungen nicht zufrieden. Auch religiöse Zusicherungen versprechen keinen Trost. Wer sich den Tod – als Motiv oder Motivation – vornimmt, wird auf das Leben zurückgeworfen. Wir gehen ja davon aus, dass wir die Wahl haben und Entscheidungen treffen können – das ist für uns mit dem Leben gleichbedeutend. Die Entmystifizierung des Freitodes verlangt nach einer Sachlichkeit, die den heroischen und ideologischen Triumph über das Leben entblößt, um dem Gedanken unvoreingenommen zu begegnen. Auf dem Prüfstand steht das Ich als autonome Instanz. Infrage gestellt wird der freie Wille. Thematisiert werden die Grenzen des Diskurses. Und mit ihm die Vorstellungen und Bilder, die wir uns vom Leben und Tod machen. Helfen Glauben, Lieben und Hoffen als vorbeugende Mittel, um den Gedanken an die Möglichkeit zum Schweigen zu bringen?

Als Nomade nahm sich der Autor vor einigen Jahren vor, sich den ersten und letzten Fragen konsequent zu stellen. Sie werden sinnstiftend in einem Kapitel dieses Essays ausgebreitet. Ohne voreilige Antworten zu geben, lässt er die Leserin und den Leser daran teilnehmen. "Alles radikal zu Ende zu denken" hat zu einem Sprachspiel geführt, das sich wie eine Liebeserklärung an das Leben liest.

So widmet sich das erste Kapitel den Bildern, die wir uns vom Leben machen. Und geht in einem zweiten Kapitel mit einem ausführlichen Fragekatalog essentiell und existentiell darauf ein. Eine ästhetische Annäherung an den Freitod muss dem Menschen und dem Leben zärtlich zugeneigt sein. Sie schließt aber jene Alternative, der Albert Camus moralisierend ausgewichen ist, nicht aus. Die letzte Möglichkeit kommt uns ja wie vieles andere auch in den Sinn, wenn wir nicht blind für uns selber sind.

Das Thema wird derzeit inflationär einseitig behandelt. Wie sollen wir den Tod ins Auge fassen, wenn wir nicht dezidiert darüber nachdenken, was wir unter Leben verstehen? Verstehen wollen und können! Sein oder Nichtsein? Die Frage kann sich in jedem Augenblick unseres Daseins stellen. Mit ihr verbindet sich die Frage nach dem Sinn des Lebens.

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© Cover: Verlag, Foto(s): Alessandro Della Bella

Textprobe(n)

Angesichts des Todes, den ich als letzten Fluchtpunkt ins Auge fasse, scheint mir die Herausforderung darin zu bestehen, vieles zurückzulassen. Ich will im Hinblick auf den Tod herausfinden, was mir überhaupt etwas bedeutet und bedeutet hat. Ich vermute, dass die Abwesenheit von nennenswerten Schwierigkeiten im Leben den Dialog mit dem Tod geradezu begünstigt. Ich kenne wenige Menschen, die ernst von wichtig zu unterscheiden wissen. So ist das Leben. Den Tod zu verdrängen, lässt die Zuverlässigkeit der Kriterien schmerzlich vermissen, denn ernst meint er es in jedem Fall. Im Gegensatz zu Gott, den ich persönlich nicht kenne, ist der Tod keine menschliche Einbildung. Er hält sich mit Sicherheit an seine Vereinbarung.

Als Nachlass meiner kammermusikalischen Gespräche mit Menschen auf der ganzen Welt bleibt: Wir sind als Du und Ich der Geschichte entwachsen. Wir versuchen unsere Gegenwart vom Unheil der Geschichte auszuklammern, indem wir nicht zu den Verallgemeinerungen überlaufen. So kann es nicht weitergehen! Dafür finden wir Verbündete und Mitläufer überall. So mache ich auf keinen Fall weiter! Zwischen den beiden Sätzen liegen Welten. Zum Schlüsselerlebnis meiner Zwiegespräche gehört die erschütternde Erfahrung der Unausweichlichkeit. Eine Bereitschaft nimmt überhand, dem Rollenmodell und den Erwartungshaltungen nicht mehr zu entsprechen. Damit geht eine radikale Absage an die Kategorien und Kriterien der dritten Instanz einher. Die herkömmlichen Dichotomien werden einer Kernspaltung aus­gesetzt. Wir haben keine Lust mehr, Meinungen zu übernehmen, uns auf Referenzen zu berufen, die sich in unserem Lebensraum täglich als unzulänglich erweisen. Ja, sagen meine Verbündeten häufig, der Freitod ist eine Möglichkeit, an die ich denke.

Das Ende der Geschichte ist ein Urerlebnis, in dem wir uns als Gleichgesinnte im Vorübergehen erkennen. Sie wird durch Fragmente und Geschichten in der Mehrzahl ersetzt. Damit widersprechen wir allem, was uns die Geschichte vorschreibt. Wir trotzen entschieden der Herrschaft einer heiligen Schrift. Auch wer sich mit seinen Ellenbogen emporkämpft hat, ist nicht mehr auf der Höhe. Die Avantgarde in einem kriegerischen, politischen oder kulturellen Sinne macht vornehmlich Rückschritte: Auf das Ich geht sie nicht zu. Jedes Ich und Nicht-Ich, die ich treffe, sagen es mir unter vier Augen: Ich bin das Zeichen einer falschen Unterscheidung! Wir müssen die Welt auf den Kopf stellen.

Der Selbstmord ist jener entscheidende Schritt, die lebenslängliche Haft, in der wir erwacht sind, auf freiem Fuß zu verlassen. Er hält am Leben als Paradoxon fest. Dieses Leben hat jene Zukunft, die sich an der Wiederholung der Geschichte nicht mehr beteiligen will. Der Freitod ist damit keine Lösung, weil das Problem nicht das Ich ist. Er setzt ein Ende ohne Widerspruch, so einfach ist es. Jeder Kommentar erübrigt sich. Das ist wahrlich ein Zeichen!

Entsorge Dich. Freitod als Möglichkeit
Essayistik
ALS BUCH:
Hardcover
160 Seiten
Format: 110 x 170 mm
Auslieferung ab 1. Oktober 2016
D: 18,00 Euro A: 18,00 Euro CH: k. A.

ISBN (Print) 978-3-903110-09-0

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