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Am Meer dieses Licht

Belletristik

Fanny Wobmann

Am Meer dieses Licht

Aus dem Französischen von Lis Künzli

Die Erzählerin Laura sitzt im Krankenhaus am Bett ihrer Großmutter. Die Großmutter sieht ihrem Ende entgegen, da machen sich die beiden nichts vor. Auf sanfte und überraschende Weise verschworen, gehen die beiden diesen Weg gemeinsam.

Verlagstexte

Tag für Tag fährt Laura nach der Arbeit ins Krankenhaus, setzt sich an Großmutters Bett, geht ein paar Schritte mit ihr, liest ihr vor, hört ihr zu, wenn sie die wichtigen kleinen Geschichten aus ihrem Leben erzählt. Ihr Leben lang hat sie gearbeitet, sich gefügt, bloss nicht lästigfallen, nichts aufrühren. Am Ende wird sie zu einer sanften Rebellin.

Wenn Großmutter schweigt, erzählt Laura von England. Sie wurde von ihrem Chef dahin geschickt, er hat was vor mit ihr. Sie hat Englisch gelernt und die Liebe ausprobiert.

In leichter und poetischer Sprache erzählt Fanny Wobmann von zwei Frauen, die sich in einer zwischen Leben und Tod schwebenden Zeit einander öffnen und an die wesentlichen Dinge rühren.

Für Am Meer dieses Licht erhielt Fanny Wobmann den Terra Nova Literaturpreis der Schweizerischen Schillerstiftung, das Original erschien 2017 bei Flammarion (Paris) unter dem Titel Nues dans un verre d‘eau.

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© Cover: Verlag, Foto(s): Ayşe Yavaş

Textprobe(n)

Auf dem Tisch neben deinem Bett wird dein Essen kalt. Du hast es nicht angerührt, sitzt da, zum Fenster gedreht, und siehst zu, wie es schneit.
Ich habe dir mein Geheimnis erzählt.
Ich habe mich auf die Flocken konzentriert, dann auf deine Augen, die im ganzen Zimmer herumgegangen sind und schließlich auf meinen Halt gemacht haben. Du hast die Hand an den Mund gelegt, deine dünnen Finger in der Stille der Dinge.
Mit einem Lidschlag hast du das Thema gewechselt. Du hast gesagt, "so hat es schon lange nicht mehr geschneit", und dann den restlichen Tag geschwiegen.
So wie ich.

Du hast ohne zu meckern deine Medikamente geschluckt und mir dabei in die Augen gesehen, beide Hände an den Bettrand geklammert. Ich fühlte mich verplichtet, dir eine Zeitschrift kaufen zu gehen, von der ich wusste, dass du sie nie lesen würdest. Ich habe absichtlich den falschen Aufzug genommen und mich in den Gängen verlaufen. Ich bin ganz langsam gegangen.

Ich habe gehört, wie sich die Krankenschwestern unterhielten. Sie hatten heute Morgen noch früher aufstehen müssen als gewöhnlich, um rechtzeitig hier zu sein, wegen der schlechten Straßenverhältnisse. Eine von ihnen war am Wochenende mit ihren Kindern auf dem Doubs Schlittschuh gelaufen, es war herrlich, aber nicht ganz perfekt, weil zu viel Schnee lag. Und außerdem hat ihr Sohn sich eine böse Erkältung geholt, dabei hatte sie ihm noch gesagt, er solle sich einen Schal umlegen.

Ich überlege, ob du Schlittschuhlaufen kannst. Ich werde dich fragen, sobald sich deine Laune gebessert hat. Manchmal hörst du mir zu und antwortest. Ich erinnere mich, dass wir zusammen Rodeln gegangen sind, du bist sogar mit mir runtergefahren, du hast dich immer hinten draufgesetzt, und du hast Lederhandschuhe getragen. Danach tranken wir zu Hause warmen, gezuckerten Zimttee und spielten Lotto. Du hattest eine Schublade voller kleiner Dinge, die als Gewinne dienten, Gummis, Bonbons, Stifte, Schokoladen, Bücher oder Kleider für die Barbies.

Ich versuche mir vorzustellen, wie du warst. Früher. Jünger. In diesem Dorf im Neuenburger Jura, das nicht deins war, wohin es dich aus Zufall verschlagen hat, weil dein Deutschschweizer Mann den Kolonialwarenladen gekauft hat und du ihm gefolgt bist. Ich sehe dich im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt der Bedürfnisse, Kleinigkeiten, Tuscheleien. Ich sehe, wie du den Platz einnimmst, der für dich vorgesehen war, elementar und unaufällig. Du hast angepackt, und es war solid, währschaft wie eine Kindheit auf dem Land. Wie die gepflügte Erde des Kantons Freiburg, den du bis zu deiner Hochzeit nie verlassen hast. Wie die Sahne im Deckel der Milchbrente.

Am Meer dieses Licht
Roman / Novelle
ALS BUCH:
Hardcover mit Schutzumschlag
152 Seiten
Format: 115 x 190 mm
Auslieferung: ab 23. Februar 2018
D: 24,00 Euro A: 24,00 Euro CH: 28,00 CHF

ISBN (Print) 978-3-85791-846-9

Symbol Tablet Rezensionsexemplar (eBook)

Der Verlag im Netz:

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Erwin Künzli
+41 (0)44 4458083
kuenzli(at)limmatverlag.ch

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rosie.krebs(at)limmatverlag.ch