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Jeder Krüppel ein Superheld

Belletristik

Christoph Keller

Jeder Krüppel ein Superheld

Splitter aus dem Leben in der Exklusion

Leben mit einer Behinderung ist umfangen vom Bemühen um "Inklusion". So sagt es uns unser Selbstbild. Christoph Keller, selbst betroffen von Spinaler Muskelatrophie (SMA III), wurde soeben mit dem Alemannischen Literaturpreis ausgezeichnet. In seinem neuen Buch zeigt er, daß es die Exklusion ist, die die behinderte Wirklichkeit beherrscht. Ihre Bewältigung bedarf Tag für Tag der Anstrengungen eines Superhelden.

Verlagstexte

Siebzehn Jahre nach seinem erfolgreichen Erinnerungsroman Der beste Tänzer über sein Leben mit Spinaler Muskelatrophie (SMA III) unternimmt Christoph Keller eine ebenso unorthodoxe wie provokative Befragung dessen, was es im 21. Jahrhundert bedeutet, ein Mensch mit körperlicher Behinderung zu sein. Was es bedeutet, den Alltag zu bewältigen, zu lieben, zu schreiben, zu reisen (oder eben nicht), wenn man nicht wie die anderen ist. Wie man auf der Sitzfläche von der Grösse eines A4-Blattes in ein Flugzeug kommt. Wie es sich anfühlt, wenn man im Museum für eine Strecke, die in ein paar Minuten zurückzulegen wäre, fünfzig braucht. Warum man im Gorillagehege in einem Zoo ein Rollstuhlschild am Rollstuhl tragen muss, damit klar ist, dass man in einem Rollstuhl unterwegs ist.

Angelegt als Collage verschiedenster Texte und einer Kafkas Verwandlung widersprechenden, erschreckend komischen Erzählung, ruft Jeder Krüppel ein Superheld zu Mitgefühl und Empörung auf und zeigt auf berührende Weise, wie auch mit einer Behinderung ein volles Leben gelebt werden kann, wenn man akzeptiert, dass die Diagnose "Leben" heisst.

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© Cover: Verlag, Foto(s): Ayse Yavaz

Textprobe(n)

ICH WAR VIERZEHN, als ich die Diagnose "Spinale Muskelatrophie" erhielt. Davon gibt es drei Typen: SMA I, die häufigste, die grausamste, das "Baby-SMA", beendet dein Leben in der Kindheit. SMA II, die zweitübelste, bedeutet, dass du nie gehen können, dein Leben in einem Rollstuhl verbringen wirst, wahrscheinlich mit einer Atemhilfe. SMA III, die ich habe, ist "the happiest one". Das sagte ich zu Jan in meinem un behol fenen Englisch, als wir uns das erste Mal trafen. Sie beginnt in der Pubertät, schreitet bedeutend langsamer fort als die anderen und bietet eine normale Lebenserwartung.
SMA ist nicht leicht zu verstehen. SMA verlangsamt dich.
SMA hört nie auf, dich zu verlangsamen. SMA hebt Muskelfunktionen auf. SMA schmerzt nicht. (Die Nebenwirkungen schon.) SMA ist großzügig, SMA ist grausam. SMA ist die Geschichte vom Verlust deiner Muskelkraft.
Jan schrieb über Verlust in einem Gedicht (bevor wir uns kannten):

Ich aber sage, sie besingen das Leben,

wie wir immer etwas verlieren,

wie schön das ist.

Ist es. Oh, ist es.

MEIN ERSTER ARZT VERSUCHTE, mir SMA zu erklären. Er sagte, sie "verschwende Muskeln" und würde mich im Alter von fünfundzwanzig in den Rollstuhl bringen. Er lag zur Hälfte richtig: Ich erwarb meinen ersten Rollstuhl mit fünfundzwanzig, aber konnte noch immer einen Kilometer oder so zu Fuß zurücklegen, was mich zu einem Teilzeitrollstuhlfahrer machte. Den Rollstuhl verstaute ich im Kofferraum meines Wagens. So war ich für längere Exkursionen ausgerüstet. Oder wenn ich einen schlechten Tag hatte. Manchmal ging ich in ein Restaurant, manchmal rollte ich hinein. Die Bedienung, die an mich als gehenden Gast gewohnt war, erkannte mich nicht als rollenden. Und umgekehrt.
Für einige Jahre hatte ich zwei Ich:

Gehendes Ich. Rollendes Ich.

Oh, das Glück von SMA Typus III.

Der Arzt lag zehn Jahre oder so daneben, bekam aber natürlich schließlich recht.

Jeder Krüppel ein Superheld
Erzählung(en)
ALS BUCH:
Hardcover

12 Abbildungen

216 Seiten
Format: 115 x 190mm
Auslieferung: ab 20. August 2020
D: 24,00 Euro A: 24,70 Euro CH: 28,00 CHF

ISBN (Print) 978-3-03926-003-4

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