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Der Boden unter den Füßen. Eine Fantasie

Belletristik

Christoph Keller

Der Boden unter den Füßen. Eine Fantasie

Nichts ist anstössiger als das Überleben der Menschheit! Poetisch und frech zugleich, witzig und elegant entwirft "Der Boden unter den Füssen" nicht eine weitere Dystopie, sondern erzählt von einer Utopie, die Natur und Mensch wieder vereint. Alles wird gut. Ganz sicher.

Verlagstexte

Lion, dem fast schon legendären Brückenbauer, ist eine Brücke eingestürzt. Das hat zwölf Leben gekostet, und auch wenn ihn keiner anklagt, einfach weitermachen will er nicht. Lieber unternimmt er ausgedehnte Wanderungen in seinem Garten, auf dass er sich selbst und auch unserer geschundenen Welt auf die Spur komme.

Und siehe, immer öfter erscheinen Menschen im Garten. Gleich zu Beginn ist da Andri, der schlitzohrige Nachbarjunge, der verkündet, seine Mutter sei verschwunden. Wo denn? Im Garten natürlich. Was aber will der Junge wirklich? Nun, Lion, immer schon ein bisschen in Andris Mutter verknallt, macht sich auf die Suche im Garten – und wundert sich schon bald nicht mehr, dass dieser mit jedem seiner Schritte grösser wird. Sogar dann, wenn er mit seiner Partnerin und Ökobestsellerautorin am Gartentisch Wein trinkt. Dabei gerät auch die Zeit immer mehr aus den Fugen und saugt Lion hinein in das wahre Wesen und das Wunder der Natur. Bis er glaubt, den Boden unter den Füssen wieder gefunden zu haben.

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© Cover: Verlag, Foto(s): Ayse Yavas

Textprobe(n)

Jetzt, da alles gut wird, erscheinen die Menschen immer öfter im Garten. Sie tragen zu meiner Zerstreuung bei, und ständig erfahre ich etwas über die Welt.

Tatsächlich steht vor dem Holunder ein etwa neunjähriger Junge. Mir kommt er bekannt vor, doch genauso wahrscheinlich ist, dass ich ihn noch nie gesehen habe. Er steht vor dem Baum wie einer, der seinen Körper nicht begreift. Obwohl es dafür schon zu kühl ist, trägt er kurze Hosen und Sandalen. Immerhin hat er eine Mütze auf. Eine dunkelblaue Wollmütze. Man soll den Kopf warm behalten, das heizt den ganzen Körper. In seiner linken Armbeuge hält er einen roten Luftballon so fest gepresst, dass er bestimmt gleich platzen wird.

Der Holunder, auf den der Junge zeigt, ist in der Tat eine erstaunliche Pflanze. Nebeneinander wachsen drei Stämme aus dem Boden, erst kaum einen Fingerbreit voneinander, dann fächern sie aus. Es folgen zahlreiche armdicke Stammfortsätze, die in hölzerne Handgelenke münden, aus denen wiederum fingerdünne Äste sprießen. Das alles wird bis fast in die Krone von Efeu umrankt, als sei ein Künstler mit seinem Werk nicht zufrieden gewesen und habe Verbesserungen angebracht. Der Baum hat tatsächlich etwas Skulpturales, obwohl es gleichzeitig nichts Natürlicheres gibt als einen Baum, der wächst, wie es am besten für ihn ist. Irgendwo (ich ziehe oft auf der Suche nach Gartenideen durchs Internet) habe ich gelesen, mehrstämmige Bäume lägen wieder "voll im Trend": Zwillinge oder, in der Baumsprache, Zwiesel, Drillinge beziehungsweise mehrgipflige Zwiesel wie mein Holunder.

Der Junge, der mittlerweile seinen Ballon fallen gelassen hat und ihn nun überraschend sanft mit seinem rechten Fuß im Gras hält, kann sich nicht entscheiden, auf welchen der Stämme er zeigen soll, fährt also mit seinem spindeligen Arm ständig zwischen ihnen hin und her. Es ist eine hektische Bewegung, die mich jedoch nicht nervös macht, eher hypnotisiert, teile ich doch seine Begeisterung. Der Junge aber wird unruhiger. Bestimmt fragt er sich, was es mit dem rätselhaften Baum auf sich hat. Holunder erwecken den Eindruck, es gebe einen Grund, weshalb sie stehen, wo sie eben stehen, weshalb sie auch wachsen sollten, wie sie eben wachsen, unabhängig vom jeweiligen Baumtrend.

Mir kommt vor, als sei der Baum schon immer hier gewesen, kann mich aber nicht erinnern, ob ich ihn vom Vorbesitzer des Gartens übernommen oder nicht doch selbst gepflanzt habe. Erst kürzlich haben Sarhat und ich ihn aus dem Hasel, der ihn bis zur Krone hinauf zugewachsen hat, freigeschnitten. Es war eine Zeremonie, die Haseläste fielen widerstandslos wie einsichtige Feinde. Holunder sind Grenzbäume. Dieser steht an der nördlichen Grenzlinie des Gartens. Holunder sind Schutzbäume. Sie warnen uns vor Eindringlingen, schützen uns notfalls vor ihnen. Der Junge scheint sich hier sicher zu fühlen.

Ich wusste nicht einmal mehr, dass dieser Holunder hier wächst, sage ich. Es ist nicht meine Gewohnheit, mit einem Eindringling das Gespräch zu suchen.

Aber es ist doch dein Garten, sagt der Junge. Seine Stimme klingt hell wie Vogelgezwitscher.

Der Boden unter den Füßen. Eine Fantasie
Roman / Novelle
ALS BUCH:
Hardcover mit Schutzumschlag
160 Seiten
Format: k. A.
Auslieferung: ab 15. August 2019
D: 25,00 Euro A: 25,00 Euro CH: 29,00 CHF

ISBN (Print) 978-3-85791-880-3

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