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Lamento - Brief an den Vater

Belletristik

Susanna Schwager

Lamento - Brief an den Vater

Susanna Schwagers "Lamento – Brief an den Vater" ist ein Kaddisch, ein Prosatext, aus lyrischen Fäden gewoben, voll Zorn & Zärtlichkeit.

Verlagstexte

Lamento – Brief an den Vater ist eine Kostbarkeit der kleinen literarischen Art. Ein Trauergesang, dem wir lauschen und den wir weitergeben sollten. Und so beginnt er: "Ich will diesen letzten Brief an Dich im Imperfekt schreiben. Wahrscheinlich sagt Dir dieses Wort nicht viel, und ich will Dich nicht mit Grammatik langweilen. Das Imperfekt gefiel Dir aber immer. Vielleicht, weil es Nachdruck hat, Erhabenheit. Es ist die Form des ganz und gar Endgültigen, des für immer Vergangenen, der Hymnen auch. Zwar holpert und stakst es gelegentlich und ist nicht so geläufig wie die sogenannt vollendete Gegenwart, in der man meistens erzählt, dem Perfekt. Das Imperfekte scheint mir aber jetzt würdiger und perfekter als alles Perfekte einer noch so vollendeten Gegenwart."

Downloads

© Cover: Verlag, Foto(s): Ayse Yavas

Presse- und Autorenstimmen

Susanna Schwager hat mit ihren Büchern so etwas wie eine eigene Literaturform erschaffen.

(

Urs Widmer

)

Susanna Schwager erzählt in einer Sprache, die melodiös, handfest und bilderreich ist.

(

Roman Bucheli, Neue Zürcher Zeitung

)

Textprobe(n)

Als Sophie starb, sang vor dem offenen Fenster eine Amsel. Das tun sie gern in solchen Momenten, wie ich jetzt weiß. Es war der 31. Mai und ein früher Morgen. Es war in der Klinik der Universität, ein gelbes Plastikvorhängchen trennte das Tote vom gerade noch Lebenden. Es war in der Unfallklinik.

Auch als Du zum letzten Mal den Atem hergabst, Vater, sang vor dem offenen Fenster eine Amsel. Diesmal feierten alle Vögel, sie bejubelten sich in der Früh und auch beim Eindunkeln, sie verteilten Samen auf Eier, auf dass es sich wandle und wachse, sie kündeten Ankunft, und singend hielten sie Unerwünschtes fern. Es war am Abend, gegen sechs Uhr, wieder Frühling. Ein Tag zum Heiraten, der 3. April.

Sophie war Deine große Liebe, nicht wahr, Vater, während über achtzig Jahren war sie Deine einzige Frau. Der 3. April war Euer Hochzeitstag. Das weiß ich erst jetzt.

Ich will diesen letzten Brief an Dich im Imperfekt schreiben. Wahrscheinlich sagt Dir dieses Wort nicht viel, und ich will Dich nicht mit Grammatik langweilen. Das Imperfekt gefiel Dir aber immer. Vielleicht, weil es entgegen seinem Namen Nachdruck hat, Erhabenheit. Es ist die Form des ganz und gar Endgültigen, des für immer Vergangenen, der Hymnen auch. Zwar holpert und stakst es gelegentlich und ist nicht so geläufig wie die sogenannte vollendete Gegenwart, in der man meistens erzählt, das Perfekt. Das Imperfekte scheint mir aber jetzt würdiger und mit seinem Pathos perfekter als alles Perfekte einer noch so vollendeten Gegenwart.

Ist Imperfektes immer erinnert, im Innern?

Sophie und Du, Ihr führtet kein großartiges, aber ein recht vollendetes, ein braves Leben. Brav im Sinn von gut und tüchtig, auch tapfer, unerschrocken, sogar etwas ungestüm. Und letzten Endes von Erfolg gekrönt. Ihr beide tautet Gefrorenes im Boden meiner Geschichte auf. Ihr pflanztet und hieltet die Liebe am Leben, die als Wort so schnell schimmelt und vergammelt. Ihr lehrtet uns Mut. Der Hass und sein Zuhälter, die Angst, vermehren sich blödsinnig, sagtest Du das sinngemäß nicht immer wieder zu uns? Später lernte ich, dass vergrabene Geschichten stark wuchern, als Unglück. Bis sie endlich gut reifen, zusammenhängen, einen Sinn bekommen, bis sie erzählt sind, auch im Imperfekt. Und dann endlich vergessen werden können.

Lamento - Brief an den Vater
Erzählung(en)
ALS BUCH:
Hardcover

mit Lesebändchen

169 Seiten
Format: k. A.
Auslieferung: ab 10. April 2021
D: 24,00 Euro A: 24,00 Euro CH: 28,00 CHF

ISBN (Print) 978-3-03762-091-5

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Ricco Bilger (Verleger)
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