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Viva

Belletristik

Patrick Deville

Viva

Aus dem Französischen übersetzt von Holger Fock und Sabine Müller

Mexiko – wir schreiben die 1930er Jahre – ist das heiße Pflaster, auf dem ein revolutionäres Theater gegeben wird, wie es nur ein Autor der Klasse von Patrick Deville in Szene setzen kann. Mexiko-Stadt, Tampico und Cuernavaca sind die Schauplätze, Trotzki, Revolutionär auf der Flucht und Malcolm Lowry, amerikanischer Schriftstellergigant die Hauptakteure.

Verlagstexte

Patrick Deville führt uns in dreißig Kapiteln, die übersprudeln von Anekdoten, historischen Fakten und schicksalshaften Begegnungen, mitten hinein ins brodelnde Geschehen. Trotzki, dem die sowjetische Staatsbürgerschaft aberkannt wurde, befindet sich auf der Flucht. Frida Kahlo und Diego Rivera setzen sich dafür ein, dass Mexiko dem in Ungnade gefallenen Revolutionär Asyl gewährt.

1936 reiste Malcolm Lowry nach Acapulco, dann nach Cuernavaca. Er begann und vollendete "Unter dem Vulkan". Malcolm Lowry bewundert Trotzki, der selber ein begnadeter Schriftsteller war, und die Idee einer weltumfassenden Revolution.

Wie immer in Patrick Devilles Werk begegnen wir jenen Menschen, die sich in ihrem Handeln, im Gelingen und Scheitern ihrer Ideen, unsterblich gemacht haben: Frida Kahlo, Diego Rivera, Tina Modotti, dem geheimnisumwitterten B. Traven, André Breton und Antonin Artaud, auf der Suche nach den Tarahumaras im Hochland von Mexiko.

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© Cover: Verlag, Foto(s): Ayse Yavas

Presse- und Autorenstimmen

"Viva" ist eine Hymne auf die Suche nach dem Absoluten – Nach dem Absoluten in der Literatur, dem Absoluten der Revolution – gesungen von Besessenen, die eine Menge Staub aufwirbeln.

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Livres Hebdo

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Der sechzigjährige Patrick Deville ist ein Romancier der Oberliga im zeitgenössischen Frankreich. In seinem neuen Werk Viva präsentiert er ein postmodernes Glanzstück.

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WDR3, Mosaik

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Video

Textprobe(n)

Alles beginnt und alles endet mit dem Lärm, den die Rostklopfer hier machen. Kapitäne und Reeder fürchten sich davor, die Matrosen untätig auf dem Kai zu lassen. Deshalb Pickel und Mennige und Pinsel. Die Hafenlandschaft stammt aus einem Film von John Huston, Der Schatz der Sierra Madre: Kräne, Schuten, Ladebäume und Bohrtürme, Palmen und Krokodile. Gestank nach Erdöl, Schmieröl, Steinkohlenteer und Teer. Ein warmer Nieselregen macht alles nass, an diesem Abend gehört die flüchtige Silhouette zu einem Mann, der nicht Bogart, sondern Sandino ist. Er ist feingliedrig und klein, sieht mit fast dreißig Jahren aus wie zwanzig. Sandino trägt einen Monteur- anzug, in der Tasche einen Rollgabelschlüssel, schaut sich um, ob er nicht verfolgt wird, entfernt sich von den Docks Richtung Kneipenviertel, wo eine geheime Versammlung stattfindet. Nachdem er Nicaragua verlassen und sich lange Zeit auf abenteuerliche Weise durchgeschlagen hat, stellt der Schiffsmaschinist Sandino seinen Seesack ab und entdeckt den Anarcho-Syndikalismus. Als Arbeiter bei der Huasteca Petroleum Company in Tampico.

In den hintersten Hafengassen, wo die Laternen angehen, versammeln sich in einem dunklen Hinterzimmer die Verschwörer um den kampferprobten Ret Marut. Der ist als Kohlentrimmer an Bord eines norwegischen Schiffes nach Mexiko gekommen. Er gibt sich als polnischer oder deutscher Seemann und Revolutionär aus. Mit seinem Allerweltsgesicht und dem kleinen Schnauzbart unter der Proletarier-Schirmmütze sieht er aus wie ein Mitglied der Bonnot-Bande. Gegen Ende des ersten Weltkriegs hatte Ret Marut am Versuch der Münchner Räterepublik teilgenommen. Nach seiner Verurteilung zum Tod tauchte er unter, wechselte häufig den Namen, begann, Gedichte und Romane zu schreiben, die Einsamkeit mit dem Bleistift zu bekämpfen und Hefte aufzutürmen. Bald schickte er unter einem neuen Pseudonym, als B. Traven, den Roman Der Schatz der Sierra Madre, der in Tampico spielt, nach Deutschland. Er sollte noch ein Dutzend weitere Pseudonyme verwenden. Der Fotografin Tina Modotti stellt er sich als Torsvan vor.

Was Sandino anbelangt, der gestärkt von deutschen oder polnischen Ratschlägen, den Kopf voller glühender revolutionärer Ideen, um Mitternacht aus der Cantina tritt, so könnten wir ihm folgen, wenn er im Regen davoneilt, der schräg durch die orangegelben Lichtkegel der Natriumdampflaternen fällt. Wir würden ihn nach Nicaragua zurückkehren sehen, wo er den Overall des Raffineriearbeiters gegen Reithosen eintauscht, die Patronengürtel über der Brust kreuzt, den Stetson aufsetzt und das Kommando der Guerilla übernimmt, zum glorreichen General Augusto César Sandino wird, zum "General der freien Männer" nach den Worten von Henri Barbusse. Wir sähen ihn an der Spitze seines Bataillons von Bettlern reiten, das nie besiegt werden sollte, das die Besatzungsarmee der Gringos zum Meer zurückdrängen und das große Werk Simón Bolívars fortsetzen würde. Am Horizont wirbeln die Reiterscharen der sandinistischen Truppen den gelben Staub von Nueva Segovia im Norden Nicaraguas auf. Aber wir werden ihm nicht folgen. Denn im Hitzedunst fährt ein anderer norwegischer Tanker mit hoher, rot-schwarzer Schiffswand durch den Golf von Mexiko und nähert sich dem Hafen von Tampico. An Bord hört ein anderer Revolutionär im Exil die Rostklopfer und die Schreie der Seevögel.

Viva
Roman / Novelle
ALS BUCH:
Hardcover
260 Seiten
Format: k. A.
Auslieferung: ab Februar 2017
D: 26,80 Euro A: k. A. CH: 32,00 CHF

ISBN (Print) 978-3-03762-062-5

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