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I Remember – Ich denke an ...

Sachbuch

Tanya Josefowitz

I Remember – Ich denke an ...

Edited and annotated by Jörg W. Rademacher. Herausgegeben, übersetzt, mit Anmerkungen und einem Nachwort versehen von Jörg W. Rademacher:

Tanya Josefowitz ist 1929 in Worms geboren und wurde 1938 mit ihrer Familie aus Deutschland ausgewiesen. Mit Hilfe ihrer Verwandten gelangte die Familie in die USA. Als bildende Künstlerin, die mit Pinsel und Farbe, Stein und Holz arbeitet, schreibt sie 1999 die Geschichte ihrer Flucht auf. 2009 erscheint ihr Werkverzeichnis. Jetzt wird zum 90. Geburtstag ihr Memoir erstmals auf Englisch und Deutsch in einem Band publiziert. Josefowitz schreibt so plastisch, wie sie Kunstwerke schafft, ihre Prosa wirkt tänzerisch. Trotz der bedrückenden Szenen, die sie schildert, strahlt ihr Memoir Leichtigkeit aus.

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Verlagstexte

In zweisprachiger Form erscheinen Tanya Josefowitz’ Erinnerungen jetzt erstmals als Buch für ein breites Publikum. Im Jahr 1999 hatte die bildende Künstlerin ihre Erinnerungen zunächst für ihre Nachkommen aufgeschrieben und privat publiziert.

1929 geboren, war Tanya Josefowitz geb. Kagan im Frühjahr 1938 noch nicht neun Jahre alt, als die Familie ihr Heim in Worms am Rhein verlassen mußte. Denn als Juden mit russischer Staatsbürgerschaft wurde ihnen eines Abends der Ausweisungsbescheid zugestellt. Binnen zehn Tagen hatten sie Deutschland den Rücken zu kehren.

Mit passender Bildsprache erzählt Josefowitz aus Sicht des Kindes von der Flucht aus Worms und Hitler-Deutschland wie von der Ankunft in Amerika und New York. Im Zentrum steht der Weg der Familie von Worms über München, Saarbrücken, Metz und Le Havre in die Vereinigten Staaten. Dabei werden Mutter Kagan und ihre Kinder Vladimir und Tanya zweimal gerettet.

Im späteren Leben wird Tanya Josefowitz zunächst Modedesignerin und dann bildende Künstlerin. Im Vorwort ihres Werkkatalogs schreibt ein Kritiker: "Ich möchte Tanyas kreativen Prozeß mit 'Choreographie' beschreiben. Was sie auf Papier, auf Leinwand, Steine und Holz bringt, ist ein Ballett des Geistes, das sie mit Pinsel und Stift tanzt." Ähnlich tänzerisch sind – trotz der teils bedrückenden Materie – ihre das Leben direkt beschreibenden Worte im Memoir. Auf die Frage, welche Künstler sie zuerst sah, antwortet Tanya Josefowitz: "Mein Vater besaß etliche Drucke von Barlach und Kokoschka, alle in schwarz-weiß. Das war vor langer Zeit zu Hause in Deutschland (wir verließen Deutschland, als ich acht war), ich muß, als ich sie sah, fünf oder sechs Jahre alt gewesen sein." Auf die Frage, woher ihr Interesse an Modedesign komme, erwidert sie: "Ich mochte Kleider schon immer. Da wir sie uns nicht leisten konnten, nähte ich sie selbst." Für sie ist Mode eine Kunstform. Sie experimentierte gern. Dann heiratete sie und bekam Kinder. "Als junge Frau sagte ich mir nicht: 'Ich will Malerin werden.' Nur die Umstände führten mich mehr und mehr zur Malerei und zum Zeichnen." (Zitate aus: Works by Tanya Kagan Josefowitz, Schweiz, 2009, Auflage von 750 numerierten Exemplaren)

 

In Anmerkungen stellt der Herausgeber die Erinnerungen Tanya Josefowitz’ denjenigen ihres Bruders Vladimir Kagan gegenüber. Das Nachwort bietet unter anderem eine Einordnung dieser Erinnerungen in die Gattung. Der Band enthält auch Schwarz-Weiß-Photographien der Autorin und ihrer Familie aus den 1930er und 1940er Jahren.

Downloads

© Cover: Verlag, Foto(s): privat

Presse- und Autorenstimmen

Format: 14,3 x 20,9 cm

Umfang: 136 Seiten

Hardcover mit Fadenheftung

Erscheinungstermin: 6. Mai

Textprobe(n)

Worms, wo ich geboren wurde und wo wir lebten, war zwar eine kleine, aber schöne alte Stadt. Meine Eltern waren dort recht gut bekannt, und jeder schien sie zu mögen, auch die Beamten der Stadtverwaltung, die bei den warmherzigen Beziehungen unserer Familie zu christlichen Freunden ein Auge zudrückten. Denn viele Freunde meiner Eltern waren nicht jüdisch, und nach Hitlers Machtübernahme durften sie mit Juden keinen "Verkehr" haben. Trotzdem kamen sie, da die Lebensmittel für Juden rationiert waren, abends heimlich mit Körben voller Eier, Käse, Fleisch, Butter und so weiter, verborgen unter einem Tuch.

Ich denke an den alles entscheidenden Abend, als wir solche Besucher hatten. Es war im März 1938 gegen 21 Uhr 30. Mein Bruder Vladimir und ich waren schon im Bett. Er war neuneinhalb und ich acht Jahre alt. Im Zimmer nebenan hörten wir die Gäste und unsere Eltern gedämpft lachen und reden. Sie schienen ganz angeregt und voller Witz. Draußen hörten wir, wie üblich, das Klick und Klack der Stiefel, die im Gleichschritt auf dem Kopfsteinpflaster unter unserem Kinderzimmerfenster marschierten. Die Gestapo marschierte stets in Gruppen, die hohe Stiefel mit Metallspitzen trugen und deren Hacken rhythmisch in der ganzen Stadt zu hören waren. Vladimir und ich, wir hatten uns an diese Geräusche gewohnt. Doch an jenem Abend, als die lauten Schritte draußen vor unserem Haus jäh verharrten und uns die Türglocke wie ein Blitz traf, saßen wir senkrecht in unseren Betten, ganz Ohr, vor Furcht gleichermaßen eingefroren und gelähmt.

Auch die vertraute, fröhliche Unterhaltung im Wohnzimmer stand still. Ich hörte meine Eltern die Haustüre öffnen und nach einem Augenblick wieder schließen. Dann setzte das Klick klack seinen Weg auf der Straße fort und verhallte allmählich in der Nacht. Wir linsten durch unseren Türschlitz und sahen die Freunde versammelt um unsere Eltern. Alle waren sie wahnsinnig beschäftigt, lasen den Brief, der eben abgegeben worden war. Dann begannen alle gleichzeitig zu sprechen, und der bedrohliche Klang ihrer verängstigten Stimmen machte mir Angst, während ich angestrengt versuchte zu hören, was sie sagten.

I Remember – Ich denke an ...
Biographie
ALS BUCH:
Hardcover mit Schutzumschlag

Fadenheftung

136 Seiten
Format: 143 x 209 mm
Auslieferung: ab 6. Mai 2019
D: 22,00 Euro A: 22,70 Euro CH: k. A.

ISBN (Print) 978-3-939483-51-9

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Der Verlag im Netz:

Pressekontakt des Verlages:

Dr. Thomas Pago (Verleger)
+49 (0)2541 800396
info(at)elsinor.de

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Dr. Thomas Pago (Verleger)
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