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Der Preis

Belletristik

Antoinette Rychner

Der Preis

Übersetzt aus dem Französischen von Yla M. von Dach

Antoinette Rychner hat für die wohl allen Künstlerinnen und Künstlern bekannte Situation (bekomme ich einen Preis, was mache ich mit meinen Kindern?) eine Form und eine Sprache gefunden, die ihresgleichen sucht: Ihr Buch ist ein wahres Feuerwerk an sprachlichen Bildern und luzidem Witz, lebensnah und höchst kunstvoll gestaltet zugleich. 2016 hat sie dafür den Schweizer Literaturpreis gewonnen.

Verlagstexte

Er ist ICH. Er ist Bildhauer und seine Frau, die sinnliche, seine Sinne betörende S, ist ein Meer. Ein Meer, das ihn als Liebenden manchmal zu verschlingen droht. Ein Kind haben die beiden auch, einen Chnopf, und im Verlauf des Buches kommt ein zweites zur Welt, Chnopfzwo. Bei dessen Geburt verliert der Vater angesichts der entfesselten Naturgewalten vollends den Boden unter den Füssen, denen ganz grundsätzlich etwas fehlt, damit sie so richtig fest auftreten könnten: Dieses Etwas ist der PREIS, den ICH sich als Bildhauer von Jahr zu Jahr erhofft, und der ihm nicht zugesprochen wird. Die aufopfernde Güte von S, die der Familie die materielle Lebensgrundlage sichert, kann ICH nicht davor bewahren, sich in den Abgründen, aber auch in den Höhenflügen der schöpferischen Arbeit zu verlieren, hin- und hergerissen zwischen kreativem Impetus und Verzweiflung. Antoinette Rychner hat für diese wohl allen Künstlerinnen und Künstlern bekannte Situation eine Form und eine Sprache gefunden, die ihresgleichen sucht: Ihr Buch ist ein wahres Feuerwerk an sprachlichen Bildern und luzidem Witz, lebensnah und höchst kunstvoll gestaltet zugleich. Nicht umsonst hat die Autorin dafür 2015 den in der Westschweiz angesehenen Prix Dentan und 2016 dann auch einen der Schweizer Literaturpreise gewonnen. Yla M. von Dach hat das Buch ins Deutsche übersetzt.

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© Cover: Verlag, Foto(s): Yvonne Böhler

Presse- und Autorenstimmen

Den "Preis" gewinnen: Dies ist die verzehrende Ambition des Helden, eines Moi genannten Bildhauers, der das Hauptmaterial seiner Kunst mühselig aus seinem Bauchnabel pult. Seine Ropfs zu behauen, fällt ihm schwer, zumal er mit Familienaufgaben beladen ist und auf seinen Sohn Mouflet aufpassen muss, während seine Frau S das Haushaltsgeld verdient. Antoinette Rychner liefert einen sprachgewandten Roman voller Humor, Erfindergeist und Finesse über die Themen Ehrgeiz, Schöpfung und Familie.

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Aus der Begründung der Jury des Schweizer Literaturpreises

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Video

Textprobe(n)

Mein T-Shirt hochziehen, um mich am Bauchnabel zu untersuchen: verwüstete Blüte, blasslila Saum, verkrümmt, gerade aufgerichtet, wieder verkrümmt, aufgeplatzte Öffnung mit notdürftig zusammengestichelten losen Blütenblättern. Zwischen den Stichen haben sich helle Wülste gebildet. Wirklich, ich habe dieses ganze Durcheinander das letzte Mal auf die Schnelle zugenäht – ich bin nicht der, der ich sein sollte, der Sorgsame, dem zu hoffen gestattet ist, darum erreiche ich auch kein rühmliches Ziel und darum haben meine Anstrengungen auf meinem Bauch auch nichts als diese Holperspur hinterlassen, zwischen schmutzigrosa Wülsten, schrumpligen Säumen und unentwirrbaren Mucken.

Wie lange ist das her, wann sind die letzten Krusten abgeblättert? Halb ins Violette, halb ins Grünliche spielend verblasst ein Bluterguss. Wenn der Glorienschein weg ist, wird mir diese unebene Stelle bleiben, wo die Schwangerschaftsstreifen silberglitzern, und darauf die jedes Mal üppigere Narbenlinie.

Als ich aus dem geweihten Zimmer trete, liegt der Flur völlig dunkel vor mir. Im Vorbeigehen erkenne ich in Chnopfs Zimmer einen undeutlich ins Federbett verknäuelten Körper, doch ich trete nicht ein. Ich will S. Noch drei Schritte, ich stoße die Tür auf; mit seinen Faltenhügeln und -tälern breitet das Bett sich aus wie ein Land. S liegt in S-Form da. Sie hat die Füße zum Po hochgezogen, verstreutes Haar. Sie ist sehr schön, die Frau, die ich meine Frau nenne. Schön, mit ihren Haar-Schwimmern auf den Schultern und auf dem Rücken, wo sie sich wellen wie eine Menge kleinerer S.

Ich lasse mich ganz angekleidet neben ihren Körper gleiten, füge mir ihre Wirbelsäule an. Und ich atme ein; ein tiefer Zug. Ablaufendes Leben, Einsetzen von Geruch da und dort, wo der Schlick zutage tritt. Ich nähere mich den bloßliegenden Zonen, man könnte meinen, ein grenzenloser, in verborgenen Pflanzen und Tieren gefangener Luftvorrat entlasse ein langsames Ausatmen an die Oberfläche. Das diskrete, aber tausendfach verstärkte Hochsprudeln winziger Bläschen, die an der Oberfläche in aller Bescheidenheit platzen. Die Vorstellung, dass in den geheimen Durchgängen eines Körpers, der in sich die richtige Temperatur aufrechterhält, all diese ursprünglichen Kreisläufe stattfinden, durch die S nicht mehr meine Frau ist, sondern ein Wildreservat, das sich mir und auch ihrer eigenen Kontrolle entzieht.

Sie bewegt sich ein wenig, kräuselt sich, haucht, vermute ich, meinen Namen, unhörbar,
"Weißt du was?", flüstere ich ihr ins Ohr,
sie richtet sich auf, leicht verzögert.
"Ich habe gewonnen, stell dir vor!"

Der Preis
Roman / Novelle
ALS BUCH:
Hardcover mit Schutzumschlag
320 Seiten
Format: 135 x 225 mm
Auslieferung: ab 1. Oktober 2018
D: 25,00 Euro A: 25,00 Euro CH: 30,00 CHF

ISBN (Print) 978-3-03867-009-4

Symbol Tablet Rezensionsexemplar (eBook)

Die Autorin bzw. der Autor im Netz:

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Pressekontakt des Verlages:

Ursi Anna Aeschbacher
+41 (0)32 3233631
aeschbacher(at)diebrotsuppe.ch

Vertriebskontakt des Verlages:

Ursi Anna Aeschbacher
+41 (0)32 3233631
aeschbacher(at)diebrotsuppe.ch