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Es war doch nur Sex

Belletristik

Roswitha Ziegler

Es war doch nur Sex

Das Beckettsche Motto: "Try again, fail again, fail better" steht als Ermutigung hinter diesen Geschichten, die vor allem vom Scheitern der Beziehungen zwischen Männern und Frauen handeln.

Verlagstexte

Sehnsucht, Hoffnung, Suche, Täuschung, Enttäuschung, verlieben, entlieben und scheitern, darum kreisen Roswitha Zieglers fünfzehn Kurzgeschichten. Da ist zum Beispiel eine Frau, im Ranking des Dating Portals mit maximaler Punktzahl verbunden mit einem Mann, der sie über kurz oder lang über die Prinzipien der Täuschung bei Entfernungswahrnehmung nachdenken lässt. Oder da ist die Putzfrau, die Geliebte, die will, dass er aus ihrem Kopf verschwindet, und da ist die Ehefrau, die nicht mehr weiss, was falsch und was richtig ist. Und da ist der Ehemann, der seine Frau nicht mehr erträgt, aber braucht. Oder er, der davon träumt, sie zu heiraten, Kinder mit ihr zu haben. Sie ist gerührt, will in ihrer Heimat alles regeln, bittet um ein paar Tage Zeit. Und dann unter vielen anderen ist da noch er: "Was hatte sie gegen abblätternde Farbschichten über der Spüle? Seine Wohnung das war er, er selbst, sein Inneres nach außen gekehrt, aber das begriff sie nicht. Und Angriffe auf seine Wohnung waren Angriffe auf ihn selbst."

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© Cover: Verlag, Foto(s): privat

Textprobe(n)

Ich habe ein System. Ich muss ja ein System haben, sonst käme ich nicht voran und nicht zurecht. Für jeden Haushalt ist das ein anderes System, aber in sich sind alle ähnlich, weil nach zwei Stunden muss immer alles sauber sein und in der nächsten Woche wieder von vorne. Meist ist es ähnlich in den acht Haushalten, in den verschiedenen Häusern der Herrschaften. Küche, Bad, Klo, Schlafzimmer, Wohnzimmer, Keller, Dachboden, Kinderzimmer und Arbeitszimmer, wenn sie oder er zuhause arbeiten. Bei dem Arbeitszimmer sind sie am kritischsten, da darf ich immer nur wenig machen, die Herrschaften sind da eigen, wenn ich da nur ein paar Zettel und Akten wegrücke zum Staubwischen, aber das kennt man ja.
Anfangen tu ich meist in der Küche, mit Geschirrspüle ausräumen, Geschirr wegräumen, Geschirrspüle einräumen, dann kommt der Herd. Herdputzen ist eine Wissenschaft für sich, wegen dem Eingebrannten, Übergelaufenen, den verkrusteten, schwarz gewordenen Resten; die putzen ja keinen Herd. Die warten drauf, dass ich das mache: "Eva macht das so gründlich und so gut." Herde, besonders Edelstahlherde, mach ich nicht gern, wegen der Kratzer, die man mit Putzwolle auf Edelstahl macht, die Kratzer! Phhh, also mit der weichen Schwammseite dauert das und dauert, und ich muss ja mit allem rum sein in zwei Stunden. Auch mit der Wäsche. Wäsche in die Waschmaschine, auch das am Anfang, damit das Wasch-Programm rechtzeitig fertig wird und ich die Wäsche noch zum Trocknen aufhängen kann. Und dann die Kaffeemaschine putzen, oh Gott, die Kaffeemaschine, oder auch die Waschmaschine, nie bringen die es zustande, die mal zu putzen, dabei muss doch eine Waschmaschine auch mal geputzt sein. Das Bad mach ich gerne, da sieht man hinterher richtig was und riecht was, am liebsten ist mir Zitronenreiniger, da kann man von Italien träumen, Sizilien, Zitronien. Also Waschbecken scheuern, Spiegel putzen, die Zahnpastaspritzer, dann die Kloschüssel, weg mit den Kackstreifen, dafür Handschuhe anziehen. Ich putz nicht bloß mit Klobürste, nein, mit Lappen und Schwamm, richtig runter putz ich, geh ins Knie vorm Klo, richtig gründlich, sonst bräucht ich’s ja nicht zu machen. Die Herrschaften, dass ihnen nicht peinlich ist, sich ihre eingetrocknete Kacke von mir wegscheuern zu lassen, mir wäre das peinlich. Und dann alles aufräumen und wegräumen auf Sideboard, Tisch, Schrank, Kühlschrank, und dann beschweren sie sich, dass sie nichts mehr wiederfinden. Und Staubwischen, alles staubsaugen, Papierkörbe leeren, Müll trennen, Mülleimer leeren, auswaschen, neue Tüte rein, fertig, alles nach Zeit. Ich weiß genau, wie lange ich in einem Zimmer sauber machen kann, um in der Zeit fertig zu werden, zehn bis zwölf Minuten, mehr nicht. Die andern Jobs warten nicht, ich muss genau wissen, in welcher Reihenfolge ich was mache in welchem Haushalt, dafür hab ich für jeden mein System. Aber bei jedem geht’s von klein zu groß.
Zu meinem System gehören Listen, in welcher Reihenfolge was gemacht wird. Das muss ich mir aber nicht aufschreiben, das ist mir in Fleisch und Blut übergegangen, das wäre so unnötig wie ein Kropf, wie wenn einer sich eine Liste machen müsste, was er zum Frühstück futtert.
Die Frauen, für die ich putze, ja klar, auch für ihre Männer, aber meist bezahlen mich die Frauen, die sind es auch, die herumnörgeln und meinen, es wär in den Ecken oder unterm Schrank nicht gründlich genug – ja sie meinen, ich wär zu schnell. Mein Gott, lieber zu schnell als zu langsam. Feucht rauswischen mach ich immer zuletzt, sodass ich selber nicht mehr durchgehen muss, ich wisch dann meine eigenen Spuren beim Rausgehen mit dem Lappen weg.
Alles wird sauber gemacht und nächste Woche wieder von vorne. Wenn ich keine Arbeit mehr hab, kann ich mich gleich erschießen.
Beim Arbeiten, da vergess ich mich. Da kann ich alles vergessen, auch dass er mich weggeworfen hat wie eine ausgelutschte Zitrone.
Dass Hermann mich so wegschmeisst, ich hätt’s mir ja denken können, er hat mich ausgenutzt, dachte, es fährt sich zweigleisig gut, und dann hat er mich fallen lassen wie ’ne heiße Kartoffel.
Am Dienstag hat er mir am Telefon gesagt, dass wir in Frieden auseinander gehen sollen. Er muss dann aber weit wegbleiben, der soll möglichst das nächste halbe Jahr nicht mehr herkommen. Sonst dreh ich durch. Das schaff ich nicht: zu sehen, wie der ins Haus nebenan geht, seinen Freund besucht, und ich soll ihm dabei zusehn. Muss sein Auto da stehen sehn. Und mich erinnern. Geht gar nicht.
Aber eben, ich hätt’s mir denken können. Wenn jemand verheiratet ist, gibt’s nichts zu wünschen. Es sei denn, die Alte schmeißt ihn raus, das ist ja meine heimliche Hoffnung, immer noch, ach was, Hoffnungen.
Jetzt ist alles zerstört, alles. Ich bin völlig fertig. Kann mich wegschmeißen. Er hatte, was er wollte, er hatte mich, nun reicht’s ihm wieder für eine Weile ohne. Der war ja sexuell total ausgehungert. Er hat gesagt, mit seiner Frau ginge er nicht mehr ins Bett. Die wollte ihn nicht mehr, würde sich vor ihm ekeln.
Was ich nicht verstehe, ist, warum der jetzt nicht mehr reagiert, wenn ich ihn ansimse, ihm eine Voicemail schicke, nichts, er reagiert einfach nicht. Als ob’s mich nicht mehr geben tät.
Erst hat er mich ja morgens, mittags, abends angerufen, ständig, echt ständig. Erst so extrem alles und dann gar nichts. Aber ich zwing ja niemand.
Er ist sicher von ihr abhängig. Das kann ich ja alles nicht beeinflussen, was von der kommt, weiß ich nicht, ich weiß nicht, was bei denen jetzt läuft. Vielleicht tickt die wie eine Bombe und er hat Angst, dass sie ihn rauswirft. Ich würd ihn nicht rauswerfen.

Es war doch nur Sex
Erzählung(en)
Herausgegeben von Beatrice Maritz und Cäcilia Falk
ALS BUCH:
Hardcover
112 Seiten
Format: k. A.
Auslieferung: ab 15. September 2019
D: 21,00 Euro A: k. A. CH: 25,00 CHF

ISBN (Print) 978-3-03867-002-5

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