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Willkommen im Tal der Tränen

Belletristik

Noëmi Lerch

Willkommen im Tal der Tränen

Illustriert von Alexandra Kaufmann und Hanin Lerch als Duo Walter Wolff

Noëmi Lerch erzählt in von ihr gewohnter Weise poetisch, anmutig, berührend und kritisch über das nicht ganz so romantische Leben als Bauer, Hirt und Knecht.

Verlagstexte

Ein Mann verlässt sein Dorf am Meer. Auf einer Alp in der Schweiz hat er Arbeit gefunden. Tuinar, sagen die anderen zu ihm. Der Mann für alles. Die anderen, das sind Zoppo und der Lombard. Sie weihen den Tuinar in ihre Welt ein, in ihre Sprache der Arbeit.
Romantisch ist das Alpleben nur für Touristen. Der Tuinar ist stolz, einer der drei wahren Hüter des eigensinnigen Lebens am Rande der weiten Ebene zu sein. Die weite Ebene, das ist ihre Kirche. Einen Sommer lang folgen sie ihren Rindern auf unsichtbaren Wegen, entlang einer scheinbar äusseren und einer unscheinbar inneren Logik der Erde.
Doch die weite Ebene hat ihre eigenen Gesetze. Sie ist Geheimnis und Gefahr zugleich. Je tiefer die drei Männer in ihre Stille vordringen, umso weiter und unwegsamer wird sie. Die Sprache als Mittel der Verständigung droht verlorenzugehen.
"Ich bin wie du. Weites Grasland. Rote Flüsse durchädern mich. Fast durchsichtig bin ich. Und zart und zäh und zarter und zäher, noch viel zäher, unheimlich zäh und unendlich zart ziehen die Jahre durch mich hindurch. Machen mich immer mehr zu dem, was ich bin. Alt. Und doch. Ich beginne an keinem Ort. Und an keinem Ort höre ich je wieder auf zu sein."
Das Buch, an eine Graphic Novel erinnernd, haben Alexandra Kaufmann und Hanin Lerch als Duo Walter Wolff bebildert.

Downloads

© Cover: Verlag, Foto(s): Jano Felice Pajarola, Hanin Lerch

Presse- und Autorenstimmen

Tal der Tränen hat mich willkommengeheissen, mit Bild und Text! Was für ein schön gestaltetes Buch, das einen in eine Welt entführt, die einem mit kargen Worten und lakonischen Bildzeichen signalisiert, dass sie sich dem, der sie betritt, nicht anbiedern will, dass es dafür aber umso mehr auf diese einzelnen Zeichen ankommt. Die Sprache, die Noëmi Lerch ihren Figuren leiht, ist einmal mehr ganz genau gesetzt, im Schrittmass von Hauptsätzen, die wie der Tritt in den Bergen sorgfältig platziert werden, um in jedem Moment Halt zu finden, damit aber auch anzeigen, dass die Stabilität des Untergrunds nicht gesichert ist. Im gleichen Schrittmass wendet man auch Seite um Seite, durch diesen Alpsommer hindurch, begleitet von dem fremd-heimischen Tuinar, der einem nie ganz vertraut wird. Und noch weniger werden es Zoppo und der Lombarde, bei aller Präzision einzelner Gesten und Handlungen, die die Vertrautheit der Autorin mit dem Milieu zeigen. Hinter oder in diesen Figuren öffnen sich dunkle Zonen, wie das Schwarz auf den Bildern, welche die Textseiten in dieser Hinsicht umgekehrt spiegeln. Doch Noëmi Lerch spielt nicht im Register der unheimlichen, gruseligen Alpenliteratur in der Art des "Sennetuntschis", von welcher die Schweiz ja eine ganze Tradition hat, als Kehrseite der alpenrosaroten Alpenheimatliteratur. Dieses Buch, und das gefällt mir sehr an ihm, sucht hier einen dritten Weg. Er führt an die Ränder des Schweigens, das sich auch zwischen den Figuren und auf den weissen Räumen der Buchseiten ausbreitet, ohne sich penetrant als Raum "eigentlicher" Bedeutung aufzudrängen. Er geht aber auch ganz konkret auf die Realien und Aporien moderner Alpwirtschaft ein. Dabei bleibt aber doch der Raum, der Ort der Handlung als "Tal", das ja offenbar ein Hochtal ist, im richtigen Mass abstrakt, um nicht selbst jenem Tourismus zu verfallen, der in dem Buch ja auch eine wenig erbauliche Rolle spielt. So bleiben wir Leser aus dem Unterland buchstäblich an der Schwelle zu einem Tränental, in dem aber doch ganz gelegentlich Facetten des "glücklichen Tals" aufblitzen. Und wir werden am Schluss mit dem Tuinar aus diesem Tal entlassen, und stehen an einem Bahnhof, wo wir auch gleich das Meer vermuten. Was für ein schöner Schluss! Er gefällt mir nicht nur deshalb, weil im Meer auch der alte Gegenmythos zur Alpenschweiz erscheint, die Wellen als anderes "Urgestein", wie Noëmi Lerch schreibt. Er gefällt mir auch ganz konkret in der Verbindung von Bahnhof und Meer – ich habe vor langer Zeit einen Aufsatz zur Literatur aus der Schweiz geschrieben mit dem Titel "Aus dem Warten heraus. An die Bahnhöfe der Schweizer Literatur grenzt das Meer". Nun halte ich mit diesem Buch ein ganz eigenständiges, ganz schönes weiteres Zeugnis zu dieser Reihe in der Hand.

(

Peter Utz, Universität Lausanne

)

Textprobe(n)

Zoppo. Er macht ein Bewerbungsgespräch. Er macht erst einmal Kaffee. Der Tuinar legt seine Hände auf den Tisch. Legt sie dort parat. Wozu einen Lebenslauf vorlegen. Ein Diplom hat er keines. Aber seine Hände.
Zoppo stellt Tassen und Zucker dazu. Und du wärst also der Tuinar. Der Zusenn. Der Mann für alles. 
Der Tuinar faltet seine Hände neu. Rückt den Stuhl näher an den Tisch. Klar, er weiss, wie das geht. Die Tische der anderen. Die Milch und der Käse der anderen. Die Böden der anderen. Darauf das Vieh der anderen. Man treibt es in die Ställe der anderen. Man melkt es und spricht mit ihm. Als wäre es nicht das der anderen und ja. Die anderen sind irgendwann die eigenen. Er lächelt vorsichtig.
Zurück müsse er nur selten, sagt der Tuinar. Also, nach Hause. Äusserst selten, meint er. Oder auch nie.

Willkommen im Tal der Tränen
ALS BUCH:
Hardcover

in Leinen gebunden

288 Seiten
Format: k. A.
Auslieferung: ab 1. Juli 2019
D: 27,00 Euro A: 27,00 Euro CH: 29,00 CHF

ISBN (Print) 978-3-03867-015-5

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Pressekontakt des Verlages:

Ursi Anna Aeschbacher
+41 (0)32 3233631
aeschbacher(at)diebrotsuppe.ch

Vertriebskontakt des Verlages:

Ursi Anna Aeschbacher
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